Josef Köstlinger

Josef Köstlinger, Jahrgang 1952, machte Ende der 60er Jahre eine landwirtschaftliche Lehre, um den elterlichen Betrieb in Schwaben / Riedau übernehmen zu können. Allerdings wurde ihm bald bewusst, dass ein kleiner Betrieb in der Größenordnung von 7 bis 8 Hektar keine Zukunft hatte. Er verpachtete die elterliche Landwirtschaft, sattelte um und absolvierte eine Lehre als Elektriker. In dieser Branche war er bis Ende der 70er Jahre tätig.

Doch nach wie vor galt sein größtes Interesse der Arbeit auf dem Bauernhof, und so aktivierte er 1978 die verpachtete Landwirtschaft, um sie biologisch zu bewirtschaften, errichtete ein Betriebsgebäude und schaffte Pferde an. Fachliche Unterstützung, wie sie heute selbstverständlich ist, gab es damals nicht. Das Wissen musste man sich aus Büchern sowie Exkursionen nach Deutschland und in die Schweiz erarbeiten.

Köstlingers Hof zählte zu den ersten Betrieben in Oberösterreich, die um diese Zeit biologisch arbeiteten. Die Außenseiterrolle war für die Familie nicht immer einfach, doch vor allem Josef Köstlinger sen. unterstützte seinen Sohn stets nach Kräften. Später wurde der Betrieb mit der Nr. 41 als Bio-Betrieb durch den Verband organisch-biologisch wirtschaftender Bauern Österreichs anerkannt.

Für die Bio-Produktion war zur damaligen Zeit noch keine Infrastruktur vorhanden, und eventuell vorhandene Anlagen konnten für die Weiterverarbeitung von Bio-Getreide nicht genutzt werden, da sie die erforderlichen Standards nicht erfüllten. Auch gab es keine Möglichkeit, Bio-Korn zu lagern. Das veranlasste Josef Köstlinger schließlich dazu, eine fahrbare Getreide-Reinigungsanlage zu bauen. Das hielten Fachleute bis dahin für schlichtweg unmöglich.

Die mobile Anlage verfügte über eine volle technische Ausstattung und wurde von den derzeit noch wenigen Bio-Betrieben gemeinschaftlich genutzt. Kundschaften kamen aus einem großen Umkreis von bis zu 100 Kilometern Entfernung und bestellten Getreide, so dass die Ernten oft schon im Voraus ausverkauft waren.

Da lag die Idee natürlich nahe, am Köstlinger-Hof einen Naturkostladen zu eröffnen. Allerdings ist in ländlichen Regionen wie dem abseits gelegenen Riedau der Betrieb eines Hofladens wirtschaftlich kaum rentabel. Um die Kundschaften dennoch biologisch versorgen zu können, stellte Josef Köstlinger seinen Laden auf Räder – mit einem Bio-Vollsortiment. Davon profitieren die Kunden, da sie nicht zum Bauer oder zu verschiedenen Geschäften fahren müssen. Das volle Angebot verschiedener Bio-Bauern wird ihnen direkt vor die Haustür geliefert. Somit tragen sie mit ihrem Einkauf zu einer positiven Ökobilanz bei.